Die Einsiedelei

„Unsere Liebe Frau vom Verschlossenen Garten“ ist eine römisch-katholische Klause: ein Häuschen an einer Kapelle, bewohnt von einem zurückgezogen lebenden Klausner (auch Eremit oder [allein lebender] Mönch genannt). Diese Klause befindet sich seit 2001 in der alten Dorfkirche der Ortschaft Warfhuizen, ganz im Norden der Provinz Groningen.

Gebet und geistliches Leben

Der Alltag eines Klausners gestaltet sich in vieler Hinsicht ähnlich wie der von Mönchen und Nonnen im Kloster: In einem solchen Leben gibt es immer einen Wechsel von Arbeiten und Beten; der Rhythmus des Tages wird von einer gleichbleibenden Struktur fester Gebetszeiten bestimmt. Deren klassische Zahl ist acht: in der Nacht die Vigil, am Morgen Laudes und Prim (wegen der Dopplung wurde die Prim vom Zweiten Vatikanischen Konzil für die Gesamtkirche abgeschafft; einige Klostergemeinschaften haben sie jedoch beibehalten), tagsüber Terz, Sext und Non, zu Beginn des Abends die Vesper und vor der Nachtruhe die Komplet. In Warfhuizen findet eine noch etwas ältere Einteilung Verwendung, die auf Kassian zurückgeht: Morgens und abends gibt es lange Gebetswachen; die anderen Gebetszeiten werden vom Klausner in Stille gehalten und enden mit einem gesungenen Gebet (einer „Litanei“). Der Sinn dieser Momente des Gebets besteht darin, die verschiedenen Tageszeiten bzw. Stunden des Tages Gott zu weihen. Darum heißt dieses Gebet auch Stunden- oder Tagzeitengebet.

Eine solche religiöse Lebensform des Gebets und der Betrachtung wird auch kontemplativ genannt, im Unterschied zu einem aktiven (oder tätigen) religiösen Leben, dessen Hauptaufgabe in Seelsorge, Krankenpflege oder Unterricht besteht.

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Stille und Zurückgezogenheit

Das Wort „Eremit“ kommt vom griechischen Wort ἔρημος (einsam/unbewohnt/verlassen). Ein Eremit oder eine Eremitin ist jemand, der ein mönchisches Leben in Zurückgezogenheit außerhalb eines Klosters führt. Die ersten Eremiten fanden heraus, dass Stille, Einsamkeit und Mäßigung in Essen, Trinken und Schlaf eine gute Basis für das Gebet darstellen. Indem sie Abstand von den Sorgen des Alltags nahmen, konnten sie sich besser auf Gott ausrichten.

Anders als in einem normalen katholischen Kirchbau wird die Kapelle einer Einsiedelei durch eine sogenannte Klausurschranke in zwei Bereiche geteilt: einen öffentlichen Bereich und einen abgesonderten Bereich, die Klausur. Hinter der Klausurschranke führt der Eremit ein zurückgezogenes Leben in Gebet, Studium und Handarbeit.

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Wallfahrtsort

Dadurch, dass eine Einsiedelei ein Platz in der Welt, aber auch ein bisschen außerhalb der Welt ist, fühlen sich schon seit der Zeit der ersten Einsiedeleien Menschen von solchen Orten angezogen. Dadurch entstanden bei vielen Einsiedeleien Wallfahrtsorte, auch wenn das Ideal eines einsamen Lebens dadurch ein wenig verwässert wurde. Seit dem 17. Jh. passen Einsiedler häufig auf abgelegene Kapellen auf, die Ziele von Wallfahrten sind. Auch in der Klause von Warfhuizen ist eine solche Situation entstanden. Das Bildnis der weinenden Maria steht dabei im Mittelpunkt. „Unsere Liebe Frau vom verschlossenen Garten“ ist ein typisch barockes Prozessionsbild aus Sevilla. Im Süden Spaniens ist es üblich, derartige Bilder in der Woche vor Ostern durch die Straßen zu tragen. 2003 bekam das Bild in Warfhuizen einen Platz über dem linken Seitenaltar. Seitdem kommen von nah und fern immer mehr Menschen gezielt hierher, um zu beten. Sie fühlen sich in der einen oder anderen Weise durch den Anblick des Mitleidens Marias in ihren eigenen Sorgen und Beschwernissen getröstet. Das sogenannte „Wunder von Warfhuizen“ besteht darin, dass all diese Menschen kommen, ohne dass es Erscheinungen oder andere aufsehenerregende Vorkommnisse gegeben hätte.

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